• Melina Solkidou, Sebastiano Villa / (c) Jubal Battisti
Tanz

Die Schwäne

Lillian Stillwells Schwanensee zur Musik von Pjotr I. Tschaikowsky
PREMIERE
07. Februar 2026
URAUFFÜHRUNG
ca. 2 Stunden und 5 Minuten, 1 Pause nach 45 Minuten

Wer kennt nicht das Märchen der Schwanenprinzessin Odette, ihrem Gegenpart Odile und Prinz Siegfried, Opfer des magischen Verwirrspiels von Rotbart? Mit Schwanensee (1877/1895) schuf der Komponist Pjotr I. Tschaikowsky ein Meisterwerk des Klassischen Balletts, das bis heute zum Repertoire vieler Tanzcompagnien zählt. Nun nimmt sich Lillian Stillwell dieses Stoffes an und interpretiert ihn neu, indem sie den inhaltlichen Schwerpunkt auf die tanzende Gruppe und die weibliche Bühnenfigur Odette legt: Sie ist das Subjekt der Handlung.

Während in klassischen Choreografien die Schwäne im Corps-de-Ballet durch Synchronizität gekennzeichnet sind, geht Stillwell anders an das Tanz-Kollektiv heran und interpretiert es als eine Gruppe aus Individuen. Dabei verzichtet sie auch nicht auf das, was man im Allgemeinen mit Schwanensee assoziiert: eine Liebesgeschichte.

Inszenierungsfotos

  • alternativer Text
    Valerie Yeo, Juan Fernandes Morales Londoño, Wendel Lima de Alcantara / (c) Jubal Battisti
  • Wendel Lima de Alcantara / (c) Jubal Battisti
  • Ensemble / (c) Jubal Battisti
  • Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti
  • Ensemble / (c) Jubal Battisti
  • Enrique Sáez Martínez, Hana Kato, Valerie Yeo, Naho Takeda / (c) Jubal Battisti
  • Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti
  • Melina Solkidou, Sebastiano Villa / (c) Jubal Battisti
  • Enrique Sáez Martínez, Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti
  • Ensemble / (c) Jubal Battisti
  • Bartlomiej Kowalczyk, Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti
  • B. Kowalczyk, V. Yeo, E. Sáez Martínez, H. Kato, J. F. Morales Londoño, W. Lima de Alcantara / (c) Jubal Battisti
  • Valerie Yeo, Enrique Sáez Martínez / (c) Jubal Battisti
  • Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti
  • Melina Solkidou / (c) Jubal Battisti

Trailer

Pressezitate

  • Miguel Schneider - Schwanensee als Versuchsordnung (in: Die Deutsche Bühne, 21.02.26)

    Mit „Die Schwäne“ setzt Tanzdirektorin Lillian Stillwell am eine „Schwanensee“-Überschreibung an, die den Klassiker aus dem höfischen Mythos in eine bürgerliche Realität kippt. Getragen wird der Abend von Tschaikowskys deutlich gekürzter Partitur und einer Odette, die sich nicht als Projektionsfläche, sondern als handelnde Figur behauptet.

    Ben Baurs Raum wirkt wie eine Versuchsanordnung, in der sich Intimität und Kontrollmechanik nebeneinander behaupten.

    Dass Stillwell Ingeborg Bachmanns „Undine geht“ in die Bühnenhandlung integriert, ist mehr als literarischer Schmuck. Undine als Figur, die die Machtlogik einer Beziehung freilegt, wird zur Schattenautorin dieser Odette, einer Frau, die liebt, aber den Preis dafür nicht mehr als Naturgesetz akzeptiert.

    Stark ist dabei, wie Stillwell das Literarische nicht in Erklärtheater kippen lässt, sondern in Rhythmus übersetzt. Der Text wirkt als Impulsgeber, nicht als Illustration.

    Der eigentliche Eingriff liegt im Kollektiv. [...] Stillwell dreht das und die Schwäne erscheinen als Gruppe, in der das Einzelne sichtbar bleibt. Sie bilden Formationen, verschwinden aber nicht darin. Das wird in kleinen Verschiebungen sichtbar, ein leicht verschobenes Timing, eine bewusst „unreine“ Gleichzeitigkeit und ein Blick, der Richtung gibt. Choreografisch ist das konsequent, weil der berühmte Schwanen-Block nicht abgeschafft, sondern politisiert wird.

    Zeitgenössisch im Grundton, klassisch als Einschub. Spitze erscheint als Verweis, nicht als Regel. Pirouetten, Hebungen, Sprungbahnen werden immer wieder bodennah: Die Arbeit auf Spitze bricht abrupt ab, die Füße landen flach, Linien knicken in tiefe Pliés. Interessant ist, dass Ironie hier als choreografisches Werkzeug eingesetzt wird.

    Am deutlichsten wird Stillwells Zugriff dort, wo Siegfried nicht mehr als edler Erlöser auftritt, sondern als bürgerliche Figur mit Komfortzone. [...] Ob man diese Realismus-Schärfung liebt oder ihr Didaktik unterstellt, sie verschiebt die Machtachse des Stoffes radikal. Und sie erklärt, warum der Abend auch Gewalt gegen Frauen und Femizid nicht nur als Randnotiz führt, sondern offen zeigt.

    Dass am Theater Münster mehrere Tänzer als Siegfried besetzt sind, lässt sich als kluger Kunstgriff lesen. Nicht der eine Prinz, sondern ein wechselndes, austauschbares Rollenmodell. Siegfried wird zur Funktion, nicht zur Figur.

    Musikalisch hält der Abend sein Niveau. Das Sinfonieorchester Münster unter Henning Ehlert liefert Tschaikowsky als tragfähiges Fundament und die Kürzung der Partitur wirkt wie eine Dramaturgie-Entscheidung zugunsten der Inszenierung.

    Arianne Hartanov tanzt die Odette hervorragend, nicht nur als Narrativ des Abends, sondern als Leistung für sich. Sie arbeitetdie Rolle mit klarer Linienführung und kontrollierter Spannung aus, hält die Balance zwischen klassischer Präzision und dem Moment, in dem die Form wechselt.

    Am Ende bleibt „Die Schwäne“ eine Kanon-Reibung, die sich nicht mit Oberfläche begnügt. Stillwell nimmt das ikonische Material ernst genug, um es gegen den Strich zu lesen. Es ist ein Tanzstück, das in Erinnerung bleibt. Nicht als „Modernisierung“, sondern als Überführung des Klassikers in die Gegenwart. Ohne Beschönigung, mit klarer Kante.

  • Harald Suerland - Odette und ihr Pullunder-Prinz, in: Theater Pur (vom 07.02.2026)

    Das Bühnenbild Ben Baurs wechselt in beiden Hälften des rund zweistündigen Abends von der Enge der bürgerlichen Wohnstube zur stimmungsvoll ausgekleideten Naturszene, deren Farben später die grünliche Stimmung der in den Texten wiedergegebenen Wassermetaphorik spiegelt. Selbst der große optische Effekt der Befreiung am Schluss wirkt stimmig.

    Odette hat sich zu diesem Finale in einen wahren Furor getanzt - womit die Solistin Melina Solkidou in der Premiere zum Gipfel ihrer fabelhaften Ausdruckskraft gelangt. Für die unterschiedlichen Facetten, mit denen sie die Hauptfigur ausstattet, erntet sie einen großen Teil des lang anhaltenden Beifalls.

    Sebastiano Villa repräsentiert als einer von vier Siegfried-Darstellern die Klasse des Ensembles. 

    Die Begeisterung des großen Publikums im Großen Haus schloss sehr nachdrücklich das Sinfonieorchester Münster ein: Unter der Leitung Henning Ehlerts schuf es mit Tschaikowskys ohrwurmsatten Klängen eine hinreißende Grundlage für Lillian Stillwells Tanzabend.

  • Hanns Butterhof - Frau sucht Liebe, in: Tanznetz (vom10.02.2026)

    Tanzchefin Lillian Stillwell holt mit "Die Schwäne" den Ballett-Klassiker "Schwanensee" aus dem Feudalismus in die demokratische Gegenwart. [...] Im Zentrum dieser Geschichte steht Odette, beeindruckend getanzt von Melina Solkidou.

    Stillwell verbindet in "Die Schwäne" Begegnungen des klassischen Balletts mit Elementen des modernen Tanztheaters und pantomimisch erzählenden Passagen. Es gibt hinreißende Soli, Duette voller Innigkeit und auch Gewalt und kraftvolle Ensembles. Die in Fülle vorhandenen Pirouetten, raumgreifenden Sprüngen, eleganten Hebefiguren sowie Spitzentanz, Linien- und sind immer gebrochen durch geerdeten Ausdruckstanz.

    Lillian Stillwells "Die Schwäne" sind voll beeindruckenden, musikalisch genau choreografierten Tanzes, den das Sinfonieorchester Münster  unter Henning Ehlert einfühlsam begleitet. Allen an der Aufführung Beteiligten galten nach kurzen eindreiviertel Stunden die langanhaltenden Standing Ovations des Premierenpublikums, vor allem aber  den begeisternd tanzenden Solistinnen und Solisten vom Ensemble wie auch dem Tanz Münster Studio

  • Robin Gerke - "Die Schwäne": Odette bricht auf, in: Westfälische Nachrichten (vom 09.02.2026)

    [Die Schwäne] ist nicht irgendeine Neuinszenierung von "Schwanensee". Das wäre auch seltsam. Gleichwohl betritt Tanzdirektorin Lillian Stillwell  mit "Die Schwäne" erstmals das Terrain des klassischen Ballett-Kanons.

    Stillwells Ensemble ist klein und unmissverständlich im zeitgenössischen Tanztheater verwurzelt. Trotzdem greift sie all das auf, was "Schwanensee" zum Ballettklassiker gemacht hat.

    Bei allen Anklängen an traditionelle Ballett-Ästhetik ist "Die Schwäne" modern, expressiv, schaurig. Alles spielt sich vor einer düsteren Kulisse (Ben Baur) ab, die durch subtilen Lichteinsatz (Meike Parys) in Farbstimmungen zwischen Wärme und Wasserleiche changieren. Uta Meenens Kostüme verorten die Handlung in einer bürgerlich-biederen und einer geisterhaft-reduzierten Traumwelt. 

    Gemessen an der Ausdauer, mit der die Zuschauer applaudieren, dürfte das Stück, das noch bis zum Saisonende läuft, zu den Publikumslieblingen der laufenden Spielzeit gehören.

     

  • Edda Breski - Die Geschichte Odettes, in TZHamm (vom 10.02.2026)

    Stillwell hat Humor und beweist Geschick, die klassischen Ballettschritte umzudeuten. Wer die Originalchoreografie in etwa vor Augen hat, wird eine Menge Spaß haben. Den Tanz der kleinen Schwäne zur Originalmusik mit den fast klassischen, doch modern angepassten Schritten umzusetzen, nicht Parodie, nicht Hommage, sondern etwas Eigenwilliges, das ist eine Leistung.

    Die schlichten, doch wirkungsvollen Kostüme stammen von Uta Meenen. Angemessen realitätsentrückt ist das schlichte Bühnenbild mit Bäumen im graubraunen Nebel von Ben Baur.

    Dem Münsteraner Tanzensemble geling ein Kraftakt, die modernen Choreografien sind nicht zu unterschätzen. 

    Melina Solkidou zeigt Facetten von Komik bis trotziger Wut und zieht ihr Publikum in das Dilemma der Odette hinein. Henning Ehlert dirigiert flüssig die gut aufgelegten Münsteraner Sinfoniker.

    "Die Schwäne" ist eine interessante Umdeutung, mutig getanzt und gespielt und bietet einen bei aller Ernsthaftigkeit doch kurzweiligen Theaterabend. 

     

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