Stefanie Evers - Münster: Der GRAF VON MONTE CHRISTO sucht Gerechtigkeit; in KulturAspekte (21.01.26)
Das Musical mit der kraftvollen Musik Frank Wildhorns begeistert in der großen Orchesterfassung mit atmosphärischen Bildern und einem überzeugenden Ensemble in der starken Inszenierung von Michael Wallner.
Michael Wallners düstere, oft ein wenig schwere Inszenierung ist überaus beachtlich. Wallner bringt den Stoff aus Alexandre Dumas´ berühmten Fortsetzungsroman nicht nur handwerklich präzise, sondern auch ideenreich und voller raffinierter Symbolik auf die Bühne.
Auch den einzelnen Figuren gibt Wallner durch seine Regieansätze Tiefe und Glaubhaftigkeit. Insbesondere die Wandlung des arglosen Dantès in die strategische Rachepläne schmiedende Titelfigur beweist viel Fingerspitzengefühl.
Visuell hat der GRAF VON MONTE CHRISTO so einiges zu bieten: [ ...] um diese mal abzubilden, mal den enormen Symbolgehalt oder die Stimmung des Geschehens einzufangen, greift Stefan Rieckhoff zu treffenden Projektionen und ergänzt diese durch wenige wirkungsvolle Ausstattungsgegenstände und großformatige Aufsteller.
Die historischen Kostüme von Uta Meenen passen wunderbar ins Bild und versetzen das Publikum um zwei Jahrhunderte in die Vergangenheit.
Den enormen Einfluss, den Kostüm und Maske nehmen können, offenbart sich in Gregor Dalals Doppelrolle ausgesprochen deutlich. Als Gérard de Villefort zumindest äußerlich eine würdevoll-erhabene Erscheinung, verwandelt er sich im Château d´If in den wiederum äußerlich verlotterten Abbé Faria mit zotteligem Bart. Ebenso stark gelingt die optische Wandlung David Arnspergers vom gutgläubigen Seemann Dantès in den rachsüchtigen Grafen.
Für die Choreografie zeichnet Kati Heidebrecht verantwortlich. Schwungvolle Ensembletänze, wie beispielsweise seitens der Piratinnen, bereichern das Stück spürbar und lockern die Atmosphäre immer immer wieder ein wenig auf. Die Degen werden in dieser Inszenierung erst im spannenden Höhepunkt am Ende des Stückes wirklich geschwungen. Dann jedoch voller Inbrunst und über zwei ansteigende Stege mitreißend choreografiert.
Unter der musikalischen Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg erklingt die symphonsich-opulente Musik von Frank Wildhorn mit sicherem Timing. Die, vom Sinfonieorchester Münster tadellos dargebotenen Melodien gehen ins Ohr. Schon die Ouvertüre ist ein wahrer Genuss und der GRAF VON MONTE CHRISTO hat [...] so einige musikalische Höhepunkte zu bieten.
Ensemble und Tänzer präsentieren sich spielfreudig und die Rollen sind durchweg stark besetzt. Erdmuthe Kriener steht als Piratenkapitänin Luisa Vampa und Dämonin auf der Bühne. Sie erfreut das Publikum mit großer Bühnenpräsenz in ihrem Spiel und voller Anmut und Dynamik im Tanz. Mit rollenbedingter Zurückhaltung, aber als treuer Freund des Titelhelden agiert Enrique Bernardo als Jacopo absolut stimmig.
Valentine de Villefort [...] ist mit Yixuan Zhu sehr treffend besetzt. Ihre klare Singstimme passt hervorragend zu der jungen, verliebten Frau und ihr Spiel ist ausdrucksstark.
Wenn Gregor Dalal als Villefort mit seiner augenscheinlich würdevollen Präsenz und dem vollen Bariton schon auf ganzer Linie gefällt, ist seine Darbietung als Abbé Farin schlichtweg überragend.
Sein Abbé verfolgt seine Pläne trotz der verzweifelten Lage zielstrebig und voller Tatendrang, jedoch ohne Groll. Mit dieser Darbietung vereinnahmt er nicht nur Edmond, sondern auch das Publikum für sich. Der dritte im Bunde ist Ramon Karolan, der Fernand Mondego zum Leben erweckt. Auch er passt wunderbar in seine Rolle.
Vera Lorenz erweckt eine wundervoll authentische Mercédès zum Leben. (Sie setzt) im weiteren Verlauf einige der größten gesanglichen Höhepunkte [...]. Sowohl schauspielerisch als auch gesanglich bleiben bei Lorenz Leistung keine Wünsche offen.
David Arnspergers Darbietung überzeugt mit seinem facettenreichen Spiel, dass die Entwicklung seiner Figur glaubhaft deutlich werden lässt.
Neben seiner enormen Präsenz gefällt Arnsperger in seinen wunderbar vielfältigen Songs mit treffend nuanciertem Gesang [...].
Das Theater Münster bringt mit DER GRAF VON MONTE CHRISTO eine wunderbare Musicalproduktion in die Domstadt: düster, dramatisch, voller Emotion und wundervoller Musik. Die gelungene Inszenierung punktet mit einer großartigen Optik und starker Besetzung.